Roland TR-808 – Drummachine-Klassiker

Rolands  TR-808 ist die Über-Maschine im Drumcomputer-Universum. Dies wissen wir heute, nachdem sie mit ihren Sounds mehr 35 Jahre die akustische Popkultur geprägt hat, mehr denn je. Der Hype um das Gerät steigert sich von Jahr zu Jahr, die Gebrauchtmarktpreise klettern in unermessliche Höhen (auf Ebay wurde eine New Old Stock-808 mal für 10 000 US-Dollar offeriert…) und er ist wohl die einzige Rhythmusmaschine der je ein eigener Film gewidmet wurde.

Dass die TR-808 einmal der einflussreichste und bekannteste Drumcomputer der Welt würde, ahnte niemand, als Roland das Gerät 1980 vorstellte. Trotz toller Features wie Lauflichtprogrammierung und Einzelausgänge sowie einer musikerfreundlichen Bedienoberfläche wurde der Rhythm Composer anfangs nicht wirklich begeistert angenommen. Dies lag unter anderem auch daran, dass der feuchte Traum der Produzenten die digitale Linn LM-1 war, die für damalige Ohren unerhört „realistische“ Drumsounds erzeugte. Im Gegensatz zu dieser 5000 Dollar teuren Dreammachine, die sich auch nur für Leute wie Prince leisten konnten, wirkte die TR-808 mit ihren artifiziellen Analogsounds ein wenig wie ein Rückschritt in die Siebziger; dank ihres vergleichsweise günstigen Preises (1200,- Dollar) verkaufte sie sich gut und gehörte Anfang der Dekade zur Grundausstattung vieler Studios. Roland legte schon drei Jahre später mit der TR-909 und 1985 mit der digitalen TR-707 nach. Dafür war die 808 in den achtziger und neunziger Jahren auf dem Gebrauchtmarkt sehr günstig zu bekommen und wurde im Electro- HipHop, House- und Techno-Bereich also in Richtungen, die die Grundlage der heutige elektronische Popmusik bilden,  heftig eingesetzt.

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Das Design der TR-808

Optisch wirkt das Design der TR-808 im Vergleich zur slicken TR-909 ein wenig altmodisch und verspielt. Manche Elemente. wie etwa das schwarzen superstabile Metallgehäuse die z.T. orange Beschriftung und die barock geformten Plastikseitenteile erinnern an Roland-Synths der siebziger Jahre wie den RS-09 oder den SH-02. Dafür bietet das Gerät aber auch eine sehr angenehme und intuitive Bedienoberfläche, die auf Displays oder ähnlichen Schnickckschnack verzichten kann: Alle Soundeinstellungen der Drum-Kanäle hat man immer im Blick und dank Lauflichtprogrammierung kann man die Pattern On-The Fly modifizieren. Auf modernen Schnickschnack wie ein MIDI-Interface muss man allerdings verzichten, diese wurde erst dem Nachfolger TR-909 eingepflanzt, aber die supertighte DIN-Sync-Schnittstelle der 808 kommunieziert vor allem mit Roland Geräten dieser Ära problemlos.

04 Die aktuelle Kult-Compilation 808 Box (Fundamental Records) huldigt der Kultmaschine und versammelt Electro Acts wie Larry McCormick, Kitbuilders, Freddie Fresh auf 9 Vinyscheiben. Eine davon wurde von 808-Pionier Egyptian Lover mit seinen typischen TR-808 Grooves bespielt.
04 Die aktuelle Kult-Compilation 808 Box (Fundamental Records) huldigt der Kultmaschine und versammelt Electro Acts wie Larry McCormick, Kitbuilders, Freddie Fresh auf 9 Vinyscheiben. Eine davon wurde von 808-Pionier Egyptian Lover mit seinen typischen TR-808 Grooves bespielt.

Marschierende Ameisen-Esser

Die prägnanten vom genialen Roland Ingenieur Nakamura geschaffenen Analog-Sounds der TR-808 fanden anfangs keine euphorische Resonanz; hartnäckig hält sich das Gerücht, dass das amerikanische Keyboard-Magazin damals die Klänge der Maschine mit „marching ant-eaters“ assoziierte. Letzteres ist aber eher postfaktischer Natur, denn der Autor bezog sich dabei allgemein auf oldschoolige Drumcomputer und nicht speziell auf die TR-808. Nicht vorhersehbar war aber, dass wir heute gar nicht genug von den charakterstarken und ultrasynthetischen Sounds der Roland-Legende und ihren unzähligen Sample-Varianten bekommen können; aktuelle Musikrichtungen wie Trap, Crunk, Footwork und Juke sind ohne 808-Sounds nicht denkbar.

Es gibt 16 Drumsounds, die auf insgesamt 11 mit Volume-Reglern ausgestattete Drumkanälen verteilt sind (einige Sounds können nur alternativ angewählt werden); außerdem steht eine Akzentfunktion, die pro Step-Aktiviert werden kann, zur Verfügung

Ein typischer Acid-House-Live-Act? Nein, nicht wirklich; der kanadi-sche Jazz Pianist Oskar Peterson agiert hier als Werbeträger für Roland-Equipment (mit Roland E-Piano, TB-303 und TR-606), eine Marketingstrategie, die knapp am Ziel vorbeischoss…
Ein typischer Acid-House-Live-Act? Nein, nicht wirklich; der kanadi-sche Jazz Pianist Oskar Peterson agiert hier als Werbeträger für Roland-Equipment (mit Roland E-Piano, TB-303 und TR-606), eine Marketingstrategie, die knapp am Ziel vorbeischoss…

Kick Ass

Die 808-Bassdrum ist ein Tieffrequenz-Monster aus der Unterwelt, das von einem Sinus Oszillator mit Lowpassfilter und VCA generiert wird.  Der Kanal ist mit Tone- bzw Tune- und Decay-Regler ausgestattet. Die meiste Energie hat eine 808-Kick bei 40 bis 50 Hz. Beim Mischen ist es oft sinnvoll,  eine 808-Kick (egal ob es sich um ein Sample oder das analoge Original handelt) mit behutsam dosierter Distortion (z.B. Camel Crusher oder Soundtoys Decapitator) und einen Transienten Designer (z.B. SPL Transient Designer) nachzubehandeln, u.a. um ihn auch auf kleineren Speakern hörbar zu machen. Häufig (z.B. im Trap-Kontext) wird die 808-Bassdrum mit einem obertonreichen kurzen Kickdrumsample gedoppelt, das wenig Bassanteil besitzt oder durch ein Hochpassfilter geschickt wird, um den Sound präsenter zu machen.

Snare

Auch dichte Gitarrenwände können ihr nichts anhaben: die 808-Snare klingt zwar nicht „groß“ (wie z.B. eine Gated Snare) setzt sich mit ihrem bissigen hellen Klang überall durch. Klangformungsmöglichkeiten sind durch Tone- und Snappy-Regler gegeben. Mit  Letzterem läßt sich ein Noisegenerator dosieren, der einen Snare-Teppich emulieren soll und die Snare noch höhenreicher und schärfer klingen lässt.

Anschlussseitig ist die TB-303 mit Audio-Ausgang, Kopfhörerbuch-se, CV/Gate-Ausgängen, Audio Input (durchläuft nicht die Klanger-zeugung) und DIN-Sync-Eingang ausgestattet.
Anschlussseitig ist die TB-303 mit Audio-Ausgang, Kopfhörerbuch-se, CV/Gate-Ausgängen, Audio Input (durchläuft nicht die Klanger-zeugung) und DIN-Sync-Eingang ausgestattet.

HiHat und Cymbal

Die zischelnden, HiHats (Closed und Open) und Beckensounds sind ein weiterer charakteristischer 808-Sound. Hier muss man beim Mix aufpassen, dass man die sehr höhenlastigenSounds nicht zu weit in den Vordergrund mischt. Sie entstehen auf der Basis sechs gegeneinander verstimmter Oszillatoren, die durch ein Hochpass-Filter geschickt werden. Während der Cymbal-Sound mit Tone- und Decay-Parameter ausgestattet sind, müssen sich die HiHats mit einem Decay-Regler im Open HiHat-Kanal zufriedengeben.

Toms

Die drei Tom-Kanäle besitzen jeweils einen Tuning-Regler. Alternativ kann pro Kanal auch ein Conga-Sound angewählt werden. In den letzten Jahren sind die eher dezenten Tom- und Conga-Sounds (die oft dem Groove den letzten Schliff geben) gerade im Bereich Footwork wieder voll angesagt (siehe etwa DJ Rashad etc.).

Percussion

Ein weiterer Trademark Sound der 808 ist die Cowbell, die einen ganz eigenen leicht spacigen Sound hat. Sie ist ebenso auffällig wie die superfette Clap der Maschine, die im Mix meist vorsichtig dosiert werden muss, da sie alles andere beiseite drückt. Alternativ zu Clap lassen sich die groovigen, eher zurückhaltenen Maracas anwählen. Einen Kanal teilen sich auch der rund klingende Rimshot und die Claves.

Der Geheimsound

Die pfiffige Electro-Legende Egyptian Lover (s.u.), der jetzt wieder mit seiner TR-808 auf Tour ist, holte alles aus seiner geliebten Maschine raus, was möglich ist. So nutzte er das Ausgangssignal des Accent-Trigger-Ausgangs das eigentlich nicht als akustisches Signal gedacht war und erzeugte damit leicht zap-artige metallische Electro-Percussion auf klassischen Tracks wie Egypt Egypt oder Funkbox (Masterdon).

Ghost in the machine

Nicht nur die markanten Sounds, auch der Sequenzer trägt zu TR-808-Kult bei. Der 16-schrittige Sequenzer war mit seiner Lauflichtprogrammierung (die später von vielen Herstellern übernommen wurden) und der Akzent- Funtion damals  ganz vorne. Außerdem lassen sich zwei Pattern zu einem 32-Step-Pattern zusammenfügen und es gibt eine intuiv zu bedienende Variation-Funktion.

Insgesamt 32 Patterns lassen sich zu Songs verketten. Der Sequenzer bietet zwar keine aktuellen Features wie Swing-Quantisierung, dafür hat er zu Recht den Ruf, eine eingebaute magische Groovegarantie zu besitzen.

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